Lebensmittelunverträglichkeiten dauern etwa ein Vierteljahrhundert an. Dies kann ich anhand einer empirischen Beweiskette bestätigen.
Im Gegensatz zu heute, wo ich nur noch ein Scheindicker bin, war ich früher stets ein dickes Kind. Nicht aus Landau, ich war mal in Landau, aber da schon gertenschlank und erwachsen.
Einer der Gründe, warum ich dick war: Nutella.
“Aber unsere Fussball-Nationalelf frisst doch nur Nutella und ist auch nicht dick?”
Das ist korrekt. Die rennen aber auch nach jeder Scheibe Brot einer zerschnittenen und merkwürdig wieder zusammengenähten Kuh hinterher und versuchen mittels Tritten ihrer durch den vielen Zucker aufgestauten Aggression sofort wieder Luft zu machen.
Das tat ich seinerzeit nicht.
Am allerliebsten war mir, den Nachmittag vorm Fernseher zu verbringen, sobald das Kinderprogramm begann. Das war so gegen 17:10 Uhr, nach den Nachrichten. Damals, als es noch kein 24/7 TV gab. Zum Glück. Sonst sähe ich jetzt bestimmt aus wie Manuel Uribe aus Mexiko.
Und was gehörte oft genug dazu? Richtig: Ein volles Glas Nutella und ein Teelöffel.
This is some serious shit, wie der Ami sagen würde. Immerhin reden wir hier von 2052 Kalorien für ein einsames 400g Glas Nahrung.
Dieses Glas hielt dann gerade so lange, wie eine mittlere Folge Sindbad oder Wickie: Ungefähr 25 Minuten.
Dass ich damit meinen Tagesbedarf, den meiner Eltern und all unserer Vorfahren bereits gedeckt hatte, war mir damals nicht bewusst.
Eines Tages im Jahre 1983, es muss warm gewesen sein, wollte ich zu meinem Glas Nutella ein kühles Getränk zu mir nehmen. Da wir nichts Flüssiges mit Zucker im Haus hatten, griff ich zu einem alten Hausrezept:
Ein Liter kaltes Leitungswasser, 3 EL Zucker, 3 EL Zitronensaft. Der TV-Nachmittag konnte kommen.
Gegen Ende der Sindbad-Folge dachte ich mir so: “Hm, was habe ich da eigentlich gerade zu mir genommen? Mal nachschauen.” Und liess mir alles noch mal durch den Kopf gehen.
Direkt im Anschluss der Inventur befiel mich ein bis dato ungeahnter Ekel gegenüber Nussnougat-Brotaufstrich, der mich 25 Jahre nicht verlassen sollte.
Bis vor kurzem: Die beste Ehefrau von allen und ich waren letzthin mal über Nacht in einem Hotel, in dem es zum Frühstück auch portioniertes Nutella gab. Ich habe mir zu Testzwecken eine Portion mit an den Tisch genommen und siehe da: Der Ekel war fort.
Seither haben wir wieder Nutella zuhause, aber aufbewahrt wird es streng getrennt von den Löffeln.
Posted: July 31st, 2008 under Allgemeinbildung, Mental incompetence.
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