Ein drittes und letztes mal wach werden in San Diego und anschliessendem Frühstück mit den amerikanischen Hühnern.
Dann heisst es wieder ab auf den Highway Richtung Nevada, Richtung Las Vegas (Viva).
Wir sehen viele Highways.

Highways, die linksrum gehen.

Highways, die rechtsrum gehen.

Welche, die geradeaus gehen.

Berge.

Täler.

Wüste.

Die Geschwindigkeitsbegrenzung liegt bei angenehmen 70 Meilen pro Stunde und keiner nervt.

Da wir ausser der Fahrt nach Las Vegas (Viva) nicht mehr viel geplant haben, sind wir so frei und besuchen ein auf dem Weg liegendes “Ghost Town”: Ein ehemaliges Goldgräberstädchen namens Calico.

Am Ortseingang begrüsst uns ein amerikanischer Grizzly, der wohl kurz vorher gelernt hat aufrecht zu gehen, nimmt uns $6 ab und lässt uns ein.
Wir steigen aus dem klimatisierten Auto aus und landen direkt in der Hölle. Zumindest, was die Temperaturen angeht. Es sind 43¬?C im Schatten. Ich hatte bisher nie die Chance, das zu erleben und bin erstaunt, dass diese Temperaturen bei absoluter Trockenheit beinahe erträglich sind.
Sensibilisiert durch den Sonnenbrand hüpfe ich, bekleidet mit Kappe, von Schatten zu Schatten, während die beste Ehefrau von allen meist direkt dorthin und nicht über Los geht.
Wir klappern so nach und nach die ganzen Touri-Nippes-Lädchen ab.

Ich erstehe einen neuen Ledergürtel und stelle irritert fest, dass ich im XXL-Land im oberen Drittel rangiere, was Gürtelgrössen angeht.
Da ich mich zwar für füllig, aber nicht dick oder gar fett halte, nehme ich einfach mal spontan an, dass man jenseits des letzten Drittels eher auf Spandex und Hosenträger zurückgreift, als auf Gürtel.
Ich trinke meine erste Coke-Classic nach Jahren und stelle folgendes fest: Das Zeug ist süss. Pappsüss.
Ich erwäge kurz mein Testergebnis dem Nobelpreiskommittee in Stockholm mitzuteilen, verwerfe den Plan aber gleich wieder.

Es geht langsam voran, weil warm und steil.

Wir schauen uns wirklich jeden Laden genau von innen an, weil wir im Land der Erfindung der Industrieklimaanlagen, die Auswirkungen eben dieser Erfindung doch als bitter notwendig erachten, um den Tag zu überstehen.
Es läuft uns ein grosser Star über den Weg, der an diesem Tag ebenfalls Calico besucht: Minka.
Die beste Ehefrau von allen kennt sie nicht, aber sie versteht, warum ich Minka kenne.
Statt der erwarteten Prügel bietet mir die beste Ehefrau von allen an, ein gemeinsames Foto machen zu wollen. Ich lehne dankend ab, da ich Foto-Posing verabscheue.
Wie zu erwarten sieht Minkas Lebensgefährte aus wie ein Russ-Meyer-Klon.

Wir erklimmen die höchste Aussichtsplattform.

Sehen ein Haus aus Flaschen erbaut.

Und kriechen dann zurück zum klimatisierten Auto.
Die Fahrt verläuft geradlinig, keine nennenswerten Störungen oder Vorkommnisse.

Und irgendwann sehen wir sie dann auch: Die Skyline von New York!

Moment… doch: New York.

Ach stimmt, da gibt es doch dieses Kasino. Die spinnen, die Amis.
Unser Hotel-Casino ist schnell gefunden: Das MGM-Grand, in grün mit goldenem Löwen davor, gelegen am Las Vegas Blvd, dem neuen Strip.
Kostenloses Parken, endlose Strecken zur Rezeption. Wenn einem nicht hier das “King Size” dieses Landes bewusst wird, ich weiss nicht wo.
Die nette asiatische Amerikanerin an der Rezeption fragt, ob wir auf Hochzeitsreise wären. In der Tat, das sind wir.
So erhalten wir ein “Honeymoon-Special”. Normalerweise wäre das wohl ein Essensgutschein, oder etwas anderes wenig spannendes. Da sie aber wohl an diesem Tag schon alles verteilt haben, bekommen wir zum Preis unseres Zimmers eine Suite.
Eine Suite, die grösser ist als unsere Wohnung.

Das Bad allein ist grösser als unser Wohnzimmer.

Mit einem Weg zum Aufzug, für den ich gern einen Golfcart hätte.

Dafür mit hammerhafter Aussicht.

Da wir für den ganzen Tag Brote dabei hatten, müssen wir nicht essen gehen. Ich organisiere der sich duschenden besten Ehefrau von allen einen Starbuck’s-Kaffee aus dem Starbuck’s im Kasino.

Es ist wie in den Filmen: Die Slotmaschinen stehen überall und überall sitzen sie mit ihren Plastikbechern und schmeissen Münzen ein. Sie blinken und sie piepen… sie blinken und sie piepen… sie blinken…
Die Abendgestaltung sieht vor, dass wir uns auf den Strip begeben. Zur Diskussion steht noch, ob wir uns die gemeinsame “Love”-Show der Beatles und des Cirque du Soleil anschauen, oder nicht. Wir sind nur einmal jung und es gibt nur eine Hochzeitsreise, also ja.
Karten haben wir keine, aber ich bin guter Dinge, das wir welche an der Abendkasse bekommen werden. Ich soll damit auch recht behalten.
Wir fahren stilgerecht mit dem Auto, da es zeitlich knapp werden könnte.

Die Show findet im Mirage statt.

Dem einstigen Tempel der Götter Siegfried und Roy.

Ich erliege dem Las Vegas (Viva!) Flash: Die Lichter, die Leute, das Bim-Bam, der Jahrmarkt, die Farben. Es ist toll hier.
Wir finden die Lobby und den Ticketschalter. Resttickets gibt es keine, aber wir bekommen ein Warte-Billet und stellen uns in die “Wir rufen euch, wenn was frei ist”-Schlange. Wir haben Nummer 7. Nach ca. 10 Minuten haben wir zwei Karten für absolute Spitzenplätze.

Das Theater ist achteckig. Jeder Platz ist ein Spitzenplatz.
Kaum das wir sitzen, geschieht ein Wunder:
http://blog.uew.de/?p=43
Ich bin am heulen, wie ein kleines Kind.
Dann beginnt die Show und ich und meine Gänsehaut heulen bis zum Ende weiter.
Zu uns gesellt sich schliesslich noch ein in mein Gesicht gemei?üeltes Grinsen und zu viert verlassen wir während der Standing Ovations taumelnd das Theater.
Wir widmen uns dem üblichen Merchandise am Ausgang. Die beste Ehefrau von allen empfiehlt mir diverse Dinge, aber ich lehne ab. Kein Plastikkram der Welt kann das wiederspiegeln, was ich eben erlebt habe.
Ich fühle mich wie ein Zeitreisender. Ich kann voll uns ganz und mit ?úberzeugung sagen:
Ich habe die Beatles live gesehen. Zusammen mit der Frau, die mich geheiratet hat.
Wir spazieren noch ein wenig draussen herum.

Gehen ins gegenüber liegende Venetian-Kasino…

…wo sie allerdings bereits dabei sind die Stühle hoch zu stellen. Die Roulette-Tische sind immer besetzt. 24/7. Merchandising und essen gibts nicht ganz so oft.
Nach Zocken ist uns nicht zumute und so beschliessen wir, die 3 Quadratmeter grosse Badewanne mit Whirlpool einzuweihen.
Was für eine Nacht.
Posted: November 15th, 2007 under Mental incompetence.
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